Das kannst du doch sowieso nicht verstehen

Vor einer Weile unterhielt ich mich mit einer Bekannten, die ich schon lange vor unseren Kindern kannte. Über das Mamasein, die Arbeit, das Leben an sich.
Wenn man sich selten sieht, staut sich einiges auf, was es wert ist, erzählt zu werden. Irgendwann kamen wir an den Punkt, dass das Leben vor den Kindern anders war. Manchmal einfacher, manchmal auch komplizierter. Diese Unterschiede ließen sich nicht so direkt greifen, aber es war eben anders. Ich für mich kann sagen, ich war irgendwie besser organisiert. Obwohl ich mich im Nachhinein frage: War ich das wirklich? Oder erscheint mir das nur so, weil ich  jetzt soviel gleichzeitig am Laufen habe? Zwei Kinderleben zu organisieren ist eben etwas anderes, als seine eigene „Work-Life-Balance“ zu finden. Wir sprachen noch eine Weile über dieses und jenes oder „über Gott und die Welt“ und dann kam es von ihr. Etwas unvermittelt kam dieser Satz, den wir alle bestimmt schon zig mal gehört haben: „Das kannst du doch sowieso nicht verstehen!“

Stille. Das Gespräch, das vorher auf 180 lief erlag dem Stillstand. Verlegenes Räuspern, nach den Kindern schauen. Und dann?

Den gefühlten Schlag ins Gesicht erstmal ein wenig abklingen lassen. Ein Schluck Kaffee.

„Wie meinst du das?“ Ehrliches Interesse meinerseits.

Der Erklärung zuhören und ganz nebenbei spüren, wie das Herz blutet.

Denn solche Sätze verletzen. Besonders, wenn sie von Freunden kommen. (Oder von Menschen, von denen wir dachten, dass sie Freunde sind.)

Meine Bekannte und ich waren übrigens an diesem Punkt beim Thema Arbeit. Sie war und ist der Meinung, da ich von zu Hause aus arbeite, sei das normale Arbeitsleben für mich nicht nachvollziehbar. Bei freier Zeiteinteilung zu arbeiten, sei doch schlichtweg der Traum einer jeden Mutter und überhaupt, was ich tue ist doch kein Hexenwerk. Meine Einwürfe, dass es auch von zu Hause aus echte Arbeit sei und dass diese freie Zeiteinteilung ebenso Segen wie auch Fluch sein kann, ließ sie außer Acht. Ebenso die Regeln der guten Kommunikation.

Ja! Das ist cool, sehr sogar und ich wollte es, zumindest im Moment, nicht anders. Aber easy ist anders. Während andere ihre Arbeit  in einem dafür vorgesehenen Raum o.ä. erledigen, muss ich flexibel sein. Couch, Küchentisch und eine Umgebung voller Kinderlärm, Türklingel, Telefon etc. ist Standart. Da braucht es Konzentration und den eisernen Willen, etwas durchzuziehen.

Abends frage ich mich oft: „Was habe ich heute eigentlich genau geschafft? Und was habe ich denn heute mal wieder nicht auf die Reihe bekommen?“

Ich denke, das alles eine zweite Seite hat. Nicht alles kann ich nachvollziehen, muss ich aber auch nicht. Aber ich kann es akzeptieren, dass es neben meinem Leben noch mehrere Milliarden andere gibt.

Was ich einfach mal loswerden möchte: ich bin nicht perfekt und darauf habe ich auch nie bestanden. Ich mache Fehler und versuche, daraus zu lernen, um es hinterher besser zu machen. Ich kann mit konstruktiver Kritik leben und schätze es sehr, wenn jemand ehrlich zu mir ist.

ABER: ich hasse es, wenn jemand meint, mich umkrempeln zu müssen, mich zu einer Kopie seiner selbst zu machen oder mir von oben herab meine Unzulänglichkeiten vorzuhalten oder eben auch, zu „wissen“ wie ich ticke.

„Ich bin, wer/wie ich bin.“ Das ist für mich akzeptabel, doch ich denke eher: „Ich bin ich und darum verändere ich mich. Will besser werden. „

Was mich gestern begeistert hat, muss nicht zwangsläufig morgen noch mein Leben tangieren und Menschen, die früher mein Leben bereichert haben, können heute eher am Rande stehen. Es bleibt: die Menschen und Dinge waren an einem gewissen Punkt wertvoll für mich und das rechne ich hoch an.

Wie gesagt, ich kann gut damit leben, dass jeder eine eigene Sicht der Dinge hat. Das ist erfrischend und lässt Raum für Austausch und Inspiration. Aber doch bitte immer auf Augenhöhe! Vielleicht kann das den Umgang mit und untereinander erheblich erleichtern, wenn wir uns selbst mal ganz bewusst machen, dass mein Gegenüber auch nur ein Mensch ist. Und dass er oder sie es es vielleicht doch nachvollziehen kann. Vielleicht nur im Ansatz, aber immerhin.

Das macht doch das Miteinander aus. Und zumindest das kann ich verstehen 🙂

Macht es euch hübsch!

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Eure Kathi

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